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Australia

Australia

Kurz nach Neujahr war ich (endlich) nochmal im Kino. Schon zuvor hatte sich die erklärte Absicht manifestiert, Australia sehen zu wollen, ein Film, der mit einer guten Ecke Überlänge und mindestens genau so vielen  Handlungssträngen Aufmerksamkeit erregt. Also ungefähr das, was Pearl Harbor auch getan hat. Nicht zu hochtrabend also fielen daher meine Erwartungen aus, allerdings würde es allein wegen der beeindruckenden Landschaftsbilder Australiens sowie einer hochgepriesenen Filmmusik schon aushaltbar werden.
Diese beiden Versprechen wurden voll und ganz erfüllt, das steht fest. Nach allen Regeln der Kunst wurde dem Australischen Outback ein filmisches Denkmal von Monumentalen Ausmaßen gestezt, Canyons, Berge und Felsplateus unter tief stehender Sonne rot-orange leuchtend vor strahlend blauem Himmel. Kamerafahrten und Panoramaeinstellungen, mächtige Wasserläufe und Weite des Outbacks, schönere, wildere und gewaltigere Bilder kann man sich kaum vorstellen. Und auch die Filmmusik, soviel vorab, nimmt mit. Mit markigem Country und Aboriginee-Inspiriertem World-Klang gelingt auch hier eine ausgesprochen glückliche Komposition, die den Handlungen des Films eine würdige Basis verleiht. Dass der Soundtrack, iTunes sei dank, noch am selben Abend auf meinen iPod krabbelte versteht sich da von selbst.

Der Film handelt von der Britischen Adeligen Sarah Ashley (Nicole Kidman), deren Ehemann in Australien mit Viehtrieb das schnelle und große Geld zu machen beabsichtigt. Allerdings stellt Lady Ashley ihren Ehemann unter den dringenden Verdacht, im Outback mehr als nur das große Geld zu suchen, und reist kurz entschlossen nach Down Under. Dort angekommen wird sie von einem Australischen Cowboy, der sich nur der Drover nennt (Hugh Jackman), zur Rinderfarm begleitet und lernt früh, das Australien alles ist, nur kein Märchen-Abenteuer. Als Lady Ashley auf dem Anwesen eintrifft, muss sie feststellen, dass ihr Ehemann kurz zuvor von einem Aboriginee ermordet wurde. Insgesammt bietet die Farm einen ehr erbärmlichen Anblick: Das Haus ist heruntergekommen, die Wasserpumpe defekt, der Buchhalter des Unternehmens ein Säufer und die gegenwärtige Gruppe von Viehtreibern steht auf der Gehaltsliste von Lord Ashleys ärgstem Feind, dessen einzige Absicht es ist, das Monopol auf den Rindertrieb im Outback zu erlangen. Lady Ashley ist fest entschlossen, die Verhältnisse nicht hinzunehmen, muss aber feststellen, dass sie es mit mächtigen Gegnern zu tun hat. Über allem steht die romantische Odyssee zwischen Sarah und dem Drover, und die Vorherschende Rassenpolitik gegenüber den Aboriginees sowie der heraufziehende Pazifik-Krieg erleichtern Sarahs Kampf für das was sie als wichtig und richtig erkennt, nicht gerade.

Pearl Harbor, Pearl Harbor und immer wieder Pearl Harbor, bis dahin, dass die Hafenstadt Darwin von Japanischen Kampfflugzeugen ausgebombt wird. Aber alles das was Pearl Harbor dem Untergang geweiht hat, ist in Australia goldrichtig arrangiert. Die Liebesgeschichte ist zuallererst einmal erklärtes Thema des Films, nichtsdestoweniger wird die Resthandlung keineswegs zum darben in Irrelevanz verdammt. Vielmehr macht die Romanze ein ums andere mal Platz für sich aufdrängende Probleme und nahendes Unheil, bis zu einem Punkt, an dem sie an der Vielseitigkeit der Geschichte zu zerbrechen droht. Bedrückend wirklich sind Rassenhass, Gewinngier und Krieg, die Sarahs Träume ein ums andere Mal in Gefahr bringen, inszeniert. Und wenn es sich gerade zum guten gewendet hat, so schwebt doch irgendwie eine Beklemung im Raum, die wissen lässt, dass da noch etwas nicht passiert ist, das Dinge unausgesprochen sind, unabwendbare Geschehnisse noch ins Haus stehen. Die wundervollen Bilder stehen in einem gewagten Kontrast zur imensen Komplexität der miteinander verwobenen Handlungsstränge, und es fordert alle Aufmerksamkeit um das epische Werk in seiner Ganzheit zu erfassen. Hierbei ist die Kompromisslosigkeit des Geschehens sicherlich eine große Hilfe wenn auch oft so greifbar, dass sie beinahe verstörend wirken kann.

Nicole Kidman und Hugh Jackman bilden ein Brilliantes Cast, „feine Englische Lady trifft auf rauhbeinigen Australo-Cowboy“ in Vollendung, was von abstusen Missverständnissen (die ohne Weiteres auch für einen Lacher gut sind) über bewegende Momente von Selbsterkenntnis bis hin zu völlig unvereinbar scheinenden Wertvorstellung ein volles Spektrum von Beziehungsbildern bereithält.
Ergänzend dazu ein Unglaublich böser Bösewicht und ein richtig ekliges Ekelpaket von einem Missionspfarrer sowie  einige leicht skurile, aber dennoch liebenswerte Charakere, etwa der trinkende Buchhalter Flynn, sowie nicht zu letzt der Junge Halb-Aboriginee Nullah, wirklich herzergreifend gespielt von Brandon Walters.

Australia ist mit Sicherheit kein Film, den man ansieht, um sich berieseln zu lassen, das geben zwar die Bilder her, aber die Handlung ist von solcher Komplexität, dass man alle Sinne beisammen haben muss, um ständig auf der Höhe zu bleiben. Wer allerdings zeit und Lust hat sich auf ein filmisches Großwerk mit epochalem Charakter, faszinierenden Handlungsträgern und letztlich doch aktuellen Themenbezügen einzulassen, der wird in jedem Fall belohnt belohnt.

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