Saxophone für Jan Delay
Er wechselt Musikstile wie andere Unterhosen: Die Rede ist natürlich von Jan Delay, Jan Eißfeld mit bürgerlichem Namen. Spätestens seit seiner Platte Mercedes Dance ist ehr auch ohne die Beginner, dafür aber mit seiner Band Disko Number One bekannt, damals mit Songs wie Feuer oder Türlich. Lange durfte man danach auf die Nächste Albumveröffentlichung warten, aber jetzt ist sie da: „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“ nennt es sich und hört sich auch so an. Da ich kein Soul- und Funkspezialist bin, muss meine Rezension an dieser Stelle leider etwas weniger Fachkundig ausfallen.
Das erste was beim hören auffällt, ist, mit wie viel Liebe zum Detail versucht wird, eine stimmige 80er-Disco-Atmosphäre auferstehen zu lassen, ein Ziel was am Ende ohne weiteres als erreicht angesehen werden kann. Die Arrangements der einzelnen Songs greifen durchaus bekannte Elemente einer mittlerweile Legendären Musikgeneration auf, ich persönlich habe mich unglaublich gefreut, nachdem ich endlich wusste, woran mich der Titel „Hoffnung“ erinnert, namentlich an nichts anderes als Hotel California. Bemerkenswert ist hierbei die Art und Weise, in der bekanntes und beliebtes zwar aufgegriffen, aber in keiner Weise kopiert wird. Das führt dazu, dass die platte insgesamt sehr original wirkt, die Bezeichnung „Hommage“ erscheint mir hier vollkommen gerechtfertigt.
Musikalisch wird eher versucht, mit weniger mehr zu erreichen. Die Arrangements sind recht gradlinig, was der Hörbarkeit und Eingänglichkeit des Ganzen durchaus zu Gute kommt und dazu führt, dass man den kleinen Finessen und Musikalischen Details leichter die ihnen gebührende Achtung zukommen lassen kann. Nichts desto Trotz bleibt das ganze eine Art von Musik, die bisweilen tanzbar und treibend ausfällt, an anderer Stelle auch als angenehm dahinplätschernde Hintergrundmusik taugt. Mein besonderer Favorit für ersteres ist eindeutig „Large“, ein Song von Selbstbewusstsein, der mit einer gewaltigen Portion guter Laune aus den Lautsprechern pumpt, ganz in der Manier der ersten Single „Oh Johnny“.
Zu den Texten bleibt zu sagen, dass Jan Delay hörbar aus der Rap-Schule kommt, anders lässt sich die Gewandtheit im Umgang mit der Deutschen Sprache und der allgegenwärtige beinahe saloppe Wortwitz kaum erklären. Inhaltlich schlägt er endgültig den wichtigen Bogen, der die Reanimation längst vergessener Musikhelden in einen Zusammenhang mit einer Aktualität bringt, die Musik heutzutage braucht, um nicht nur gut sondern auch beliebt zu sein.
Abschließend lässt sich festhalten, dass das Album für alle die, die auf 80er und Funk stehen ein muss ist, für diejenigen, die in der modernen Popmusik ihre Nische vergebens suchen, weil sie laut ihrer Kinder musikalisch „Aus dem vergangenen Jahrtausend“ stammen eine willkommene Abwechslung darstellt neben dem Einheitsbrei der zusehends die Radios heimsucht, und für alle Anhänger Deutscher Mainstream-Popkultur die erwartete und Würdige Nachfolgeplatte eines Deutschen Ausnahmekünstlers ist, der mit viel Hirneinsatz Musik macht.
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